
Kennst du diese Frage? Meistens kommt sie von Leuten, die selbst nicht nähen: «Lohnt sich selber nähen eigentlich noch? Bei H&M kostet ein Pulli doch 15 Franken.»
Meine Standardantwort: «Nähen ist meine Therapie, und die ist günstiger als jede andere.» Aber diesmal wollte ich es genau wissen. Ich habe mich mit Taschenrechner, Kaffee und meinem Stoffbedarf-Ratgeber hingesetzt und nachgerechnet. Ehrlich, ohne Schönfärberei.
Kurz vorweg: Bei Damenkleidung in guter Qualität nähst du dir viele Teile für die Hälfte bis zwei Drittel des Ladenpreises. Eine weite Hose kostet selbst genäht rund 66 Franken statt 100 bis 140 Franken im Laden. Bei Basics gegen Fast Fashion verlierst du dagegen. Warum das so ist, rechne ich dir hier vor.
| Kleidungsstück | Stoff | Selbst genäht | Im Laden | Ersparnis |
|---|---|---|---|---|
| Weite Hose | 2.50 m | rund 66 Fr. | 100–140 Fr. | 34–74 Fr. |
| Kleid, knielang | 1.90 m | rund 48 Fr. | 90–100 Fr. | 42–52 Fr. |
| Hoodie | 2 m | rund 56 Fr. | unter 30 Fr. | keine |
So habe ich gerechnet: günstige Meterware gegen Ladenpreis
Damit es fair bleibt, habe ich mir ein paar Regeln gegeben:
- Grösse 40, Stoffbreite 140–150 cm
- Stoffpreis 25 Franken pro Meter. Das ist bei mir ein normaler bis eher höherer Preis, viele Stoffe zum Nähen sind günstiger. Wer Meterware-Stoffe günstig im Restposten erwischt, kommt sogar noch tiefer.
- Verglichen habe ich mit Damenmode aus Schweizer Läden in der mittleren Preisklasse, also kein Fast Fashion und kein Designerlabel.
- Faden und Gummiband zähle ich mit. Meine Nähzeit nicht, die läuft bei mir unter «Wellness».
- Nähmaschine und Schnittmuster rechne ich auch nicht mit. Die Maschine steht sowieso schon da, und mit einem Schnittmuster nähst du nicht nur eine Hose, sondern im besten Fall zehn.
Weite Hose selber nähen: der Klassiker unter den Sparprojekten
Eine weite Hose mit Gummizug und Taschen. Ohne Taschen sterbe ich, wo soll ich denn sonst mein Handy, den Schlüssel und das Massband hintun? Sie gehört zu meinen Lieblingsteilen und ist ehrlich gesagt keine Hexerei. Wie viel Stoff du brauchst, hängt von deiner Figur und der Weite ab: Bei schlanker Figur reichen oft schon 1.20 m, für eine sehr weite Hose oder eine grössere Grösse rechnest du mit bis zu 2.50 m. Für meine Rechnung nehme ich 2.50 m, so viel brauche ich für meine eigenen Hosen. Zum Beispiel aus Leinen-Viskose oder fliessender Viskose.
- Selbst genäht: rund 66 Franken bei 2.50 m (Stoff plus Gummiband). Mit 1.20 m sind es sogar nur rund 33 Franken.
- Im Laden: Weite Leinenhosen von Marken wie MAC oder Brax kosten bei Manor rund 100 bis 140 Franken. Eine schlichte Viskose-Schlupfhose habe ich in einer Winterthurer Boutique für rund 100 Franken gesehen.
- Ersparnis: rund 34 bis 74 Franken pro Hose
Oder anders gesagt: Für den Preis einer teuren Boutique-Hose nähst du dir zwei. Eine für den Alltag und eine für die Tage, an denen die erste in der Wäsche ist. Also für ziemlich viele Tage.
Und jetzt kommt das, was auf keinem Preisschild steht: Meine Hose ist in meinem Schnitt genäht und auf meine Figur angepasst. Kein Bund, der kneift, keine Hosenbeine, die zu kurz sind. Sie hat meine Lieblingsfarbe, passt zu dem, was schon in meinem Kleiderschrank hängt, oder hat ein Muster, das ich sonst nirgends finde. Versuch das mal im Laden.
Kleid nähen: Wie viel Stoff, wie viel Geld?
Für ein knielanges Kleid ohne lange Ärmel rechnest du in Grösse 40 mit etwa 1.90 m. Bei Kleiderstoffen greife ich am liebsten zu Viskose-Jersey. Er fällt wunderschön und verzeiht auch kleine Ungenauigkeiten.
- Selbst genäht: rund 48 Franken
- Im Laden: Kleider der Hausmarke Manor Woman kosten rund 90 bis 100 Franken.
- Ersparnis: rund 42 bis 52 Franken, also etwa die Hälfte
Dazu kommt ein Bonus, der in keiner Rechnung steht: An der nächsten Geburtstagsparty trägt garantiert keine andere Frau dasselbe Kleid wie du.
Wo sich selber nähen finanziell nicht lohnt
Jetzt kommt der ehrliche Teil, und der gehört genauso dazu.
Hoodie: Für einen Damen-Hoodie mit Kapuze brauchst du rund 2 m Stoff plus etwas Bündchen. Das sind bei 25 Franken pro Meter rund 56 Franken. Im Laden gibt es Damen-Hoodies schon für unter 30 Franken. Finanziell eine klare Niederlage, ausser du vergleichst mit einem Markenhoodie.
Kinder-Basics und Strickjacken: Gegen Fast Fashion kommt keine Nähmaschine an. Wenn ein Kinderpulli 15 Franken kostet, kann ich nicht mithalten und will es auch gar nicht.
Trotzdem nähe ich auch solche Teile. Nur nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Passform, der Stoffqualität und weil mein Hoodie genau die Farbe hat, die ich will, und nicht die, die gerade im Regal liegt.
Mein Fazit: Lohnt sich selber nähen?
Ja, wenn du dich mit Boutique-Qualität vergleichst und nicht mit Wegwerfmode. Gerade bei Hosen und Kleidern sparst du oft fast die Hälfte. Bei Basics nähst du nicht fürs Portemonnaie, sondern fürs Herz. Und das ist ja auch ein Grund.
Die Rechnung hat nur einen Haken: Wer günstig näht, kauft gern noch einen Meter mehr. «Für später.» Frag mal meinen Stoffschrank.
Und wenn du in der Schweiz Stoff kaufen möchtest, ohne dafür ein Vermögen auszugeben: In meinem Laden in Fehraltorf und im Onlineshop findest du Meterware-Stoffe günstig und in vielen Farben.
Wenn du nicht sicher bist, welcher Stoff zu deinem Projekt passt, hilft dir mein Beitrag So findest du den richtigen Stoff. Und wer gerade erst anfängt, findet in meiner Stoffkunde für Anfängerinnen alle wichtigen Stoffarten einfach erklärt.
Deine Jelena
Häufige Fragen zum Selbernähen
Lohnt sich selber nähen finanziell?
Bei Damenkleidung oft ja. Eine weite Hose kostet mich selbst genäht rund 66 Franken, im Schweizer Laden zahle ich in der mittleren Preisklasse 100 bis 140 Franken. Gegen Fast Fashion verlierst du dagegen fast immer.
Welche Kleidungsstücke lohnen sich zum Selbernähen am meisten?
Hosen und Kleider. Da sparst du gegenüber Boutique-Preisen oft fast die Hälfte. Bei Hoodies, Basics und Kinderkleidung ist der Laden meist gleich günstig oder sogar günstiger.
Muss ich meine Nähzeit mitrechnen?
Wenn du jede Stunde als Arbeitszeit verrechnest, lohnt sich selber nähen nie. Ich zähle meine Nähzeit als Hobby, so wie andere ins Yoga gehen. Nur dass ich danach eine neue Hose habe.
Wie spare ich beim Stoffkauf?
Schau nach Restposten und Reststücken. Für Kinderkleider, Taschen oder kleine Projekte reicht oft ein Coupon. Und kauf erst, wenn du weisst, wie viel du brauchst. Sonst wächst der Stoffschrank schneller als die Garderobe.
Wo kann ich in der Schweiz Stoff kaufen?
Zum Beispiel bei mir: im Stoffladen Stoffrestposten in Fehraltorf (ZH) oder online auf stoffrestposten.ch. Ich schneide Meterware ab 30 cm zu und liefere in die ganze Schweiz und nach Liechtenstein.
Lust auf mehr Näh-Inspiration?
Jeden Monat zeige ich neue Stoffe live auf Instagram. Schau vorbei, ich freue mich auf dich!